2. December 2020

Die GenZ ist nicht verloren: Warum wir das klassische Fernsehen so schnell wie möglich “tiktokinisieren” müssen

von Tobias Fröhlich

Was schätzen Sie, auf welchem Gerät konsumieren die Menschen am häufigsten Videoinhalte?

Die meisten von Ihnen denken jetzt wahrscheinlich an das Smartphone, vielleicht auch an das Tablet oder sogar an den Desktop-PC. Doch da liegen Sie falsch. Denn tatsächlich liegt das Fernsehen immer noch in Führung. Und zwar eindeutig. Wie eine aktuelle Analyse von Park Associate zeigt, konsumieren die Menschen in den USA rund 20 Stunden Video pro Woche im Fernsehen (Stand: Q1 2020), das sind 39 Prozent mehr als im dritten Quartal 2017. Auch die Corona-Pandemie wirkt als Katalysator. Im Vergleich dazu lag der mobile Konsum im ersten Quartal 2020 bei etwa fünf Stunden Video pro Woche; noch weniger als der Computer mit zehn Stunden.

Und ja, die Vorliebe für das Fernsehen gilt auch für die Generation Z. Denn obwohl TikTok, Instagram und Co. bei der jüngeren Generation sehr beliebt sind, konsumieren auch sie Videoinhalte nach dem Motto "biggest screen possible". Unsere Kinder wollen nicht unbedingt alle Videos auf ihrem Smartphone sehen - haben aber oft keine Alternative. Ihnen fehlt das Geld für einen eigenen Fernseher und das Gerät im Wohnzimmer ist von den alten Eltern besetzt. Glauben Sie mir, ich habe selbst Kinder und weiß, wovon ich spreche 😉.

Und in der Tat, die GenZ sieht mehr, wenn wir einzelne Inhalte zählen. Viele kleine, kurze Videos, aber die Verweildauer, die Tiefe findet vor dem 10-Fuß-Gerät statt.

Die Fernseher sind smart, die Inhalte bleiben leider dumm

Der mobile Videokonsum der Generation Z wächst jedes Jahr um beeindruckende 100 Prozent. Und das liegt zum Teil, aber nicht nur, an der mangelnden Verfügbarkeit eines eigenen Fernsehers. Denn ein weiteres Problem ist, dass die Generation Z immer auf der Suche nach einem personalisierten Erlebnis mit Möglichkeiten zur Interaktion und Beteiligung ist. Und das ist etwas, was sie auf den meisten Fernsehgeräten einfach nicht finden. Denn obwohl die Geräte auch im TV-Bereich inzwischen smart sind, bleiben die Inhalte weitgehend stumm.

Das müssen wir ändern und das Fernsehen von Grund auf "tiktokinisieren".

Wir müssen dafür sorgen, dass die Zuschauer alles, was sie brauchen, sofort auf ihrem Fernsehgerät finden können. Wenn sie zum Beispiel ein Fußballspiel sehen, müssen wir ihnen auf Knopfdruck Relevantes bieten: verpasste Höhepunkte, Statistiken über Mannschaften und Spieler, Informationen über den Kontext des Wettbewerbs. Und jetzt wird es wichtig: nicht auf dem zweiten Bildschirm, sondern auf dem ersten Bildschirm. Das ist genau das, was wir bei TVXRAY anstreben.

Wir wollen die Inhalte eines Fernsehers smart machen und damit verhindern, dass der Zuschauer während des Fernsehprogramms abwandert und seine eigenen Bedürfnisse auf einem zusätzlichen Gerät bedient. Denn genau das ist der Grund, warum unsere Kinder, und oft genug auch wir selbst, während des eigentlichen Fernsehprogramms das Smartphone benutzen.

Auf das Problem des First- und Second-Screens und wie wir es lösen können, werde ich in meinem nächsten Artikel noch genauer eingehen.

28. May 2020

Geisterspiele in der Bundesliga: Warum wir eine digitale Fan-Experience kreieren müssen

von Tobias Fröhlich

„Corona als Chance begreifen“ – Viele von Ihnen können diesen Satz vermutlich nicht mehr hören. Und ich kann Sie verstehen. Wäre das Coronavirus tatsächlich eine Chance, dann würde es Corona-Chance heißen – und nicht Corona-Krise. Aber: wir müssen uns mit dem „New Normal“ arrangieren.  

Bestes und kontrovers diskutiertes Beispiel: Der deutsche Profifußball. Am vergangenen Wochenende setzten die Vereine der ersten und zweiten Bundesliga den Spielbetrieb mit Geisterspielen fort. Über die Notwendigkeit der Fortführung wird viel diskutiert. Fest steht, es geht weiter – doch ein entscheidender Faktor fällt weg: Die Fans auf den Stadionrängen.  

Wie schwer ihr Fehlen wiegt, das konnten wir am vergangenen Wochenende eindrucksvoll beobachten. Die Fußballübertragung wurde auf das reduziert, was sie eigentlich ist: Fußball. Keine Gesänge, keine Pfeifkonzerte, keine Bilder von Menschentrauben, die sich nach einem Siegtreffer in der 90. Minute in den Armen liegen.  

Und dieser Zustand wird nach Ende der aktuellen Saison keineswegs Geschichte sein. Wir reden hier von Einschränkungen, die bis zum Jahresende, vielleicht sogar bis weit ins nächste Jahr überdauern werden.  Bis ein Impfstoff gefunden, produziert und großflächig verteilt wurde. 

Sky hat reagiert

Der Pay-TV-Sender Sky hat darauf bereits reagiert: Am Wochenende boten die Münchener ihren Kunden, die den Sky Q- oder Sky+-Receiver nutzen, Fangesänge und Publikumskulisse als Tonoption an. Das Topspiel am Samstagabend kommentierte zudem je ein Fan beider Teams. Und per Augmented Reality wurden verstärkt Statistiken, Grafiken und Online-Votings integriert.  

 

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Dieses Vorgehen ist genau der richtige Ansatz. Es ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn sind wir mal ehrlich: Die Corona-Krise führt uns aktuell viele Lücken vor Augen, die ohnehin schon lange Zeit bestehen. Die Menschen, und insbesondere die jüngeren Zielgruppen, konsumieren heutzutage anders. Sie wollen partizipieren, selbst zum Sender werden und gehört werdenGerade vielen Fußballfans ist es wichtig, ein Statement abzuliefern und dem Geschehen ihren Stempel aufzudrücken. Sei es das geschlossene Hochhalten des Schals bei der Vereinshymne, eine Choreografie beim Einlaufen der Spieler oder der Protest gegen die verhassten Montagsspiele. 

All das fällt nun weg. Und ich teile die Sorge der Fans, dass ihnen ihre Stimme verloren geht. Und deswegen müssen wir diesen Verlust durch die digitalen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, ausgleichen. Wir können den Fans eine neue Plattform bieten, ihnen die Unterhaltung zurückgeben und ihre Fankultur erhalten. Kurzum: Wir können eine digitale Fan-Experience kreieren, die folgendermaßen aussehen könnte:  

1. Jedes Spiel ein Heimspiel

Jedes Spiel könnte für jeden Fan ein Heimspiel sein, indem jeder von ihnen eine personalisierte Heimspielkulisse mit entsprechenden Fangesängen ausgespielt bekommt. Diese choreografieren, wie im Stadion, die Fans. Sie allein entscheiden, wann was eingespielt wird. Während des Spielverlaufs könnten sich dann alle Fanzuschauer einer Mannschaft live am Fernseher einbringen und bestimmen, welchen Fangesang sie als nächstes hören möchten. Sie könnten mit Emojis, Fähnchen oder Gifs auf bestimmte Spielsituationen reagieren und sich untereinander über das Geschehen austauschen. Das Ganze wäre damit ein ähnliches Konzept wie bei den populären Livestreams auf Instagram, YouTube oder Twitch. Nicht umsonst finden solche Modelle vor allem bei jungen Zuschauern Anklang, vermitteln sie einem doch das Gefühl der Zusammengehörigkeit, des gemeinsamen Schauens und des Austauschs. Nochmal: Das ist nicht der Real Deal, den man im Stadion bekommt, aber die Fans können sich zumindest digital einbringen und das Ganze mitgestalten 

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2. Gemeinsam mit Vereinslegenden auf der „digitalen Tribüne“

Wie man trotz der Quarantäne gemeinsam Filme und Serien schauen kann, hat Netflix mit seinem Party-Modus vorgemacht. Dieses Modell ließe sich auch auf das Bundesligaerlebnis am Fernseher übertragen und sogar erweitern. Denn was wäre, wenn ich die Partien meiner Lieblingsmannschaft gemeinsam mit einer Spieler- oder Trainerlegende schauen könnte? Konkret heißt das, dass ich dann seine Gesichtsausdrücke, Reaktionen und Kommentare per Bild-im-Bild-Option live mitverfolgen könnte. Sport 1 hat das mit seinem „Fantalk“-Format in der Vergangenheit bereits vorgemacht. Dies wäre da nur der nächste logische Schritt. Damit hätten die Vereine neue Optionen zur Vermarktung geschaffen Die werden sie vor allem dann brauchen, wenn auch die Spiele in der nächsten Saison ohne Publikum stattfinden und ihnen viel Geld entgeht.  

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3. Das digitale Premium-Paket 

das die Grenzen des Digitalen zumindest etwas sprengen würde. Bei einem solchen Paket könnte man beispielsweise mit Lieferservices kooperieren, um den Fans Stadionwurst und Bier direkt ins Wohnzimmer zu liefern. In Kooperation mit den Vereinen könnten die Rechteinhaber exklusiven Content für Premiumnutzer erstellen und ausspielen.  Zum Beispiel eine Spielanalyse mit dem Trainer. In der Kooperation mit den Vereinen besteht der eigentliche Trick für den Rechteinhaber. Denn der Verein kann ihm exklusive Zugänge zu seinen Fans, Dauerkarten- und Logen-Inhabern herstellen und darüber verloren gegangene Einnahmen kompensieren.    

 

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Dem Ideenreichtum sind in der digitalen Fan-Experience zwar keine Grenzen gesetzt. Man sollte aber stets die Fans mit einbeziehen. Wie in jeder anderen guten Produktentwicklung ist Customer Centricity der Nukleus. Dafür müssen sich die Fans aber aus ihrer zum Teil kontraproduktiven Antihaltung kommen und sich fragen, ob sie 12 bis 18 Monate auf Fußball verzichten oder ihn stattdessen mitgestalten möchtenDas Digitale ist gekommen, um zu bleiben. Coronabedingt finden wir eine grüne Spielwiese vor, auf der sich jeder einbringen kann.  

Die Chance liegt im Digitalen  

Dies sind nur drei Möglichkeiten für eine digitale Fan-Experience im Fußball. Entscheidend bei allen drei Ideen ist, dass sie nur eine Option darstellen, es also jedem Zuschauer freisteht, ob er sie nutzen möchte oder nicht.  

Aus rein sportjournalistischer Sicht liefert Sky mit seinem Fußballangebot ein sehr gutes Produkt. Aber das möchte der Fan eben nicht immer. Manchmal möchte er sich einfach fallen lassen, emotional werden und in seiner Fußballleidenschaft aufgehen. Das kann er natürlich am besten live im Stadion. Aber wenn diese Möglichkeit wegfällt, müssen wir ihm eine digitale Alternative bieten, die das so gut wie möglich ausgleicht. Und das können wir auch.  

Das Coronavirus ist ein Katalysator, mit dem wir die digitalen Defizite schneller überwinden und somit eine völlig neue User Experience am heimischen TV-Gerät schaffen können.

 

Bildmaterial: 

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Tobias Fröhlich, Geschäftsführer, TeraVolt GmbH 

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